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Papas Tagebuch

Nun seid ihr schon 3 Monate alt! Ich kann es eigentlich noch nicht begreifen, obwohl ich euch jeden Tag sehe! Ihr seid jetzt doppelt so schwer, als bei der Geburt und könnt schon schmunzeln und lachen.

Es ist Wahnsinn, wie schnell sich ein Leben entwickeln kann. Innerhalb von Monaten entsteht ein neues Leben - ein neuer Mensch.

Ein schöner Prozess, wenn man ihn miterleben darf.

Ich bin stolz darauf!



Gestern wurde mir die Frage gestellt, wie ich die KiWu-Reise erlebt habe. Ich muss

gestehen, dass ich die Frage eher aus dem Affekt heraus beantwortet habe, anstatt die Frage erstmal setzen zu lassen.

Ich kann mich noch daran erinnern, als wir den Anamnesebogen für die KiWu-Behandlung ausgefüllt haben. Es war damals ein gutes Gefühl, dass man an die Hand genommen wird, Unterstützung bekommt und die unklaren, offenen Fragen nun endlich beantwortet werden. Ziemlich euphorisch mit Aussicht auf Erfolg, starteten wir die Reise. Ich hatte noch den einen oder anderen unangenhmen Termin beim Urologen. Heute denke ich, dass der Termin alles andere als unangenehm war im Gegensatz, was Sonja an Behandlung erfahren hat.

Es folgten viele Gespräche, Voruntersuchungen und Ergebnisbesprechungen bis die erste Behandlung starten konnte. Die ersten drei IUI ohne Erfolg, konnte ich noch gut wegargumentieren, danach lernte ich aber schnell, dass das mit argumentieren und Wahrscheinlichkeiten nichts mehr zu tun hatte. Es kam das erste Gefühl der Leere und gleichzeitig musste ich als Partner Sonja stützen. Was nicht schon schwer genug war, nein, dann kamen die guten Tipps von Freunden und Bekannte, dass man sich entspannen soll und das alles klappt, wenn man einfach nicht damit rechnet. Der Höhepunkt an Frustration und Enttäuschen kam aber nicht durch die Behandlung an sich, sondern aufgrund der Reaktionen von Freunden Sonja gegenüber. Mein Optimismus und Freundlichkeit haben hier sehr gelitten. Ich gehe mal davon aus, dass es ein Stück von Kälte in mir ausgelöst hat.

Die nächsten Jahre waren ein emotionaler Ritt, Termin vor Ort, in Ravensburg und in Ulm. Ein wahnsinniger Druck, der sich nach und nach in Routine entwickelt hat.

Die Erleichterung bzw. Entlastung kam erst, nachdem die Geburt der Jungs ohne Komplikationen verlaufen ist.



Aber was hat das mit mir gemacht? Es war immer eine Anspannung da, auch wenn ich nur wenig tun konnte. Eine riesige emotionale Belastung, als Partner nicht zu versagen oder in Selbstmitleid zu verfallen. Als Mann redet man ja nicht darüber! Die Zeit zu verarbeiten ist schwer gewesen, aber dafür gab es den besten und schönsten Lohn, den man sich vorstellen konnte.

Ich würde behaupten, ...

...dass ich etwas entspannter bin als zuvor

...dass ich anders über Betroffene denke

...dass ich mehr Taktgefühl für Mitstreiter aufbringen kann

...dass ich generell mehr Gefühl für schwierige/belastende Situationen bekommen habe

...dass ich hellhöriger gegenüber Befunden und Aussagen geworden bin

...dass ich bewusster in den Alltag gehe

...dass mein Kopfdenken etwas besser geworden ist

...dass ich etwas offener wurde

...dass ich mir meinen Humor nicht nehmen gelassen habe

...dass ich nun weiß, eine Familie zu haben ist ein Privileg

...dass ich nun weiß, dass der Weg der KiWu-Reise alles andere als "schön" ist


Für mich sage ich, ich bin nicht einfacher geworden, eher noch sensibler. Aber mit dem Wissen, nicht jeder tritt diese Reise an und eine "Abkürzung" gibt es hier nicht.








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